museumshafen-rostock.de

25 Jahre HanseSail Rostock  und 25 Jahre  Museumshafen HRO  1991 – 2015 

von  Hans – Peter Wenzel, Vorsitzender Museumshafen Hansestadt Rostock
zur  1. HanseSail '91
Senatsbevollmächtigter u. Mitglied Koordinierungsausschuß
Vorsitzender  Traditionsseglervereinigung M-VP

Wenn ich mich erinnere, so liegt bunt und lebendig die erste HanseSail und auch der faszinierende Weg dorthin vor mir - eingebrannt in aller Stärke der Emotionen und der ungeheuren Anstrengungen mit anfangs wenigen Enthusiasten  eine Großveranstaltung von Segelschiffen, Traditions- und Museumsschiffen zu organisieren.  Der historische Ausgangspunkt für  die heutigen Treffen von Großseglern war eigentlich der Niedergang der weltweiten Segelschiffahrt für die Großsegler ab der Jahrhundertwende, aber auch die Motorisierung der kleineren Segelfahrzeuge der Küstenschiffahrt und Fischerei. In Fahrt blieben bis in die heutige Zeit Schulschiffe der nationalen Marinen und die Szene der Museums- und Traditionschiffe – in Deutschland organisiert in denMuseumshafenvereinen. Vom Schulschifftreffen in Schweden 1938 über die Sail Training Assoziation mit ihren Trainies, Tall Ship Races, Operation Sails seit den 50zigern entwickelten sich Großveranstaltungen maritimer Art im Zusammenhang mit vielen anderen mehr touristischen Veranstaltungen z.B. den Städtesails oder sportlichen wie Regatten, Segelwochen usw..
1974 fand anläßlich der 30jährigen Staatsgründung der VR Polen in der Danziger Bucht eine Großveranstaltung dieser Art statt – es war das erste und einzige Mal im Ostblock bis zu unserer  ersten HanseSail '91 – Aufbruch im Osten !  Wir Seesegler erlebten eine nie vorher gesehene internationale Flotte von Fahrzeugen aller Art , holländische Plattbodenschiffe, Galeassen Schoner, Barkentinen, Ewer und Kutter, auch viele Yachten hatte sich in Danzig , Gdynia, Sopot versammelt. Die Großen segelten bei viel Wind mit Vollzeug um die Wette und die Ehre !  Diese Erfahrung sollte später auf die weitere Entwicklung unserer Traditionsseglerszene in der der  DDR Einfluß nehmen. Mein Bruder und ich hatten 1973 mit der Rekonstruktion  unserer "Concordia" eines alten Fischereifahrzeuges begonnen und waren wie viele andere voller Begeisterung und Enthusiasmus alten Gaffelseglern wieder Leben einzuhauchen – mit viel Arbeit und wenig Geld. Aber wir waren ja nicht die Einzigen, die ihre Liebe zu alten Schiffen entdeckt hatten – es gab in der DDR die historischen Fischereizeesenboote als Sportbootklasse organisiert und darüber hinaus eine Reihe anderer Fahrzeuge mit wilden Männern, die nirgendwo hinein passten. So war auch damals bei uns die Zeit reif , wie auch schon Anfang 1970 im Westen die "Freunde des Gaffelriggs" und die Deutschen Museumshäfen entstanden waren, gründeten wir mit der Traditionsseglervereinigung der DDR /später Mecklenburg-Vorpommerns die Basis ostdeutscher Museumshäfen – als Heimstadt des maritimen Kulturellen Erbes.
Das letzte und entscheidende Ereignis in meinem Rückblick auf die Entwicklung,die  die dann direkt zur 1.HanseSail 1991 in Rostock im gerade erst offenen Ostblock und des wieder-vereinten Deutschlands führte, war das "Windjammertreffen1990" im Bremerhaven. Dort wollten und mußten wir mit "Concordia" teilnehmen und nebenbei auch das erste Mal in die Nordsee segeln. Der Empfang als einziges Schiff und offizieller Teilnehmer der im August noch existierenden DDR war überwältigend – wie auch unsere Plazierung in der Paradeformation zwischen dem gößten Segelschiff der Welt und zweitgrößten, der "Sedow" und der "Kruszenstern" in Kiellinie ! Hier lernten wir auch die Weltoffenheit ,Freundlichkeit und Wärme kennen, die wir so denke ich, bei unseren eigenen Sailveranstaltungen in den Folgejahren weiter getragen haben.
Der weitere Weg zur ersten HanseSail'91 , Motto "Klar Schiff in Rostock", verlief mit unermüdlichem Einsatz der Männer, der ersten Stunde, rückblickend trotz aller Probleme, trotz wirklichen Neulands,das wir alle betraten sehr klar auf Erfolgskurs. Von den ersten Gesprächen im Sept.90  Wolgang Schierenbeck aus Bremerhaven, mein Bruder Gerd und ich von der Traditions- seglerereinigung,ein aufgeschlossener OB Kilimann bis zum Beschluß der Rostocker Bürgerschaft zur Durchführung der HanseSail'91 im Dez. arbeiteten schon die wichtigsten Strukturen der Koordinierungsausschuß mit R. Methling, K.Nickel, J. Gronholz, H.-P. Wenzel,G. Spilker und das Organisationbüro mit H. Kalisch, P. Rath .....und die Arbeitsgruppen1 – 11 ( z.B. Ag 2  G.Wenzel, AG 4  G.Senf,  Ag 11 Bundesmarine ... ) und vielen anderen...
Im April kam die Stadt Rostock mit ihrem Hafenwirtschaftamtsleiter K. Eppler dazu und auch die hervorragende Unterstützung der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin. Grundsätzlich entscheidend war für ein Großseglertreffen aber die Teilnahme genau dieser Schiffe das war aber schwierig, denn deren Reisen und Events sind international auf mehrere Jahre verplant. Hier waren es die russischen Schiffe der UdSSR von denen wir die ersten Zusagen zur Teilnahme in Rostock erhielten. Die Sail Training Assoziation hielt sich im wahrsten Sinne des Wortes bis auf letzten Tag zurück . Unsere Aufgabe bestand darin die kleinen Schiffe, die Museums- und Traditionsschiffe vor allem die deutschen ,aber auch Dänemarks, Schwedens, Hollands, Norwegens und der östlichen Ostseeanreiner einzuladen. Das erwies sich aber als schwieriger als wir uns so dachten, denn die deutsche Szene lehnt solche Großveranstaltungen weitgehend ab. Die Schiffer und Segler, wie wir dann mit Freude feststellen konnten, aber nicht. So dass  bei unserer ersten Sail 1991 eine extra Parade der Museums-und Traditionschiffe Bestandteil des Programms wurde – Führungsschiff die Rostocker "Concordia". Auch  diese Flotte von über Hundert Schiffen unter Segeln zu bewundern und nicht nur die 11 Großsegler und viele Segel- und Motoryachten als Besucher und Gäste, darüber wird sich unser Millionenpublikum sehr gefreut haben. Angeführt wurde die Grosse Parade durch die ostdeutsche Schonerbrigg "Greif" ex "Wilhelm Pieck" , das ehemalige Schulschiff der DDR und abgechlossen durch die "Gorch Fock" der Bundesmarine – symbolisch so festgelegt für diese erste Sail in Rostock und Warnemünde. Unsere Rostocker Mitglieder der Traditiosseglervereinigung MVP hatten außer der Mitarbeit bei der Sail auch noch ein satzungsgemäßes Ziel im Auge :die Einrichtung eines Rostocker Museumshafens ! Nachdem schon 1990 der heute grösste deutsche Museumshafen  in Greifswald entstanden war, wurde auch dieses Vorhaben Programmpunkt der HanseSail '91. So können wir 2015 auch das erfolgreiche 25jährige Bestehens des Museumshafen Hansestadt Rostock e.V., eines gemeinnützigen Vereins mit 22 Schiffen und 60 Mitgliedern feiern. Wir haben uns kurz und knapp, das Erhalten und Betreiben von Historischen und Traditionellen Wasserfahrzeugen auf die "Flagge" geschrieben und genau das tun wir hier an unseren hervorragenden Liegeplätzen im Stadthafen mit großer Unterstützung der Hansestadt Rostock. Daß die HanseSail Rostock unser ureigenes Anliegen war und ist, muß ich kaum noch erwähnen. Aber die Teilnahme unserer Schiffe und Mitglieder, Freunde und Gäste und Gastschiffe ist jährlich neu zu erleben.

 

Stand : 06.01.2015

Artikel für  HanseSail – Magazin 2015

 

Änderungen des Textes sowie Verwendung in anderen Medien bedürfen meiner Zustimmung !

gez. Hans-Peter Wenzel 

 

|Startseite| |Museumshafen| |Informationen| |Jubiläum| |Termine| |Nachruf| |Bootsverkäufe| |Fotogalerie| |Links| |Kontakt / Impressum|